Claude Muller, Der Bischof Jean-Pierre Saurine (1733-1813)

Prof. Dr. Claude Muller, promovierter Historiker und Theologe, ist emeritierter Leiter des Instituts der Elsässischen Geschichte an der Universität Straßburg. Er hielt den Vortrag über den Straßburger Bischof Jean-Pierre Saurine vor den Mitgliedern des Straßburger Münstervereins am 20. Mai 2026.

Jean-Pierre Saurine wurde 1733 in den westlichen Pyrenäen geboren und unterbrach sein Theologiestudium, um zunächst als Anwalt tätig zu werden und seine Brüder rechtlich zu verteidigen. Er nahm sein Studium jedoch wieder auf und wurde 1761 zum Priester geweiht. Er war zudem Freimaurer, was im 18. Jahrhundert sowohl unter Priestern als auch unter Pastoren üblich war. Während der Revolution war er ein Anhänger der girondistischen Ideen und vertrat die Ansicht, dass die Kirche zu reich sei und sich stärker auf die Evangelisierung ausrichten müsse. Er setzte sich für eine Reform ein, nämlich die Verstaatlichung des kirchlichen Vermögens im Austausch gegen die Bezahlung der katholischen, protestantischen und jüdischen Geistlichen. Er gehörte dem konstitutionellen Klerus an, wurde Abgeordneter des Klerus, stimmte jedoch nicht für die Hinrichtung des Königs. 1793 verhaftet, entging er dank des Sturzes Robespierres dem Schafott. Er wurde konstitutioneller Bischof, zunächst Ende 1797 in den Pyrenäen.

Seine Ernennung in Straßburg im Jahr 1802 war Teil eines strategischen Plans Napoleons. Dieser stützte sich auf Fouché, seinen Polizeiminister, und Portalis, den Minister für Kultusangelegenheiten, um der während der Revolution eingeleiteten Entchristlichung entgegenzuwirken. Saurine war über das Konkordat informiert, ein Abkommen zwischen dem Papst und dem französischen Staat, das die Kontrolle des Staates über die Kirche sicherstellt. Er wird zum Bischof von Straßburg in einer völlig neu gestalteten Diözese ernannt (der Sundgau gehörte vorher zum Bistum Basel), die nicht nur ein, sondern zwei Departements sowie einen Teil des Schweizer Jura umfasst. Dank der zahlreichen Briefe, die er zwischen 1802 und 1804 verfasste, ist sein Wirken recht gut bekannt. In den folgenden Jahren reduzierte er seine Korrespondenz, dennoch wird daraus deutlich, dass sein Handeln stets im Dienste des Staates ausgerichtet war.

Bei seiner Antrittsrede im Straßburger Münster schlug er versöhnliche Töne vor dem Präfekten an und bekräftigte, den Vorstellungen des Staates nachkommen zu wollen – wohl wissend, dass er sich mit dem Präfekten abstimmen musste, um die etwa 1.000 offenen Priesterstellen zu besetzen. Diese Ernennungen führten zu zahlreichen Versetzungen, manche Priester wurden sogar einmal pro Jahr versetzt. Aus den Archiven von Altkirch etwa geht hervor, dass es beispielsweise im Sundgau ebenso viele „konstitutionelle“ wie aus dem Exil zurückgekehrte „Refraktäre“ Priester gab, wobei erstere eher aus dem Departement Bas-Rhin stammten, was wiederum zu zahlreichen Spannungen führte. Trotz seines Engagements als Freimaurer stieß er auf Schwierigkeiten mit den Protestanten (rund die Hälfte der Protestanten in Frankreich waren im Elsass ansässig) und lehnte das Simultaneum ab. Dennoch gelang es ihm schließlich, sich gegenüber seinem Klerus durchzusetzen, trotz der Beschwerde der widerspenstigen Priester des Sundgaus, die sich an den Legaten des Papstes wandten.

Im Jahr 1804 reiste er zur Krönung des Kaisers in Anwesenheit von Papst Pius VII. nach Paris, weigerte sich jedoch im Gegensatz zu seinen sechs anderen Kollegen, seine Abkehr von der Verfassung zu unterzeichnen. Er wurde mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. Napoleon kam mehrmals nach Straßburg, und Joséphine hielt sich dort auf. Trotz allem lehnte Saurine die Verstoßung Joséphines durch Napoleon ab. Dem Bischof gelang es trotzdem, 1807 ein Priesterseminar zu gründen (die elsässischen Priester wurden während der Revolution in Deutschland und Österreich ausgebildet). Da immer weniger Priester zur Verfügung standen, sah er sich zwischen 1802 und 1810 gezwungen, bereits „aus dem Dienst entlassene“ Priester zurückzuholen. Zu seinen bedeutenden Erfolgen zählt ein Heim für ältere Priester, das noch heute besteht. Saurine starb 1813 während einer Firmungsreise in Soultz und wurde im Straßburger Münster beigesetzt. Der Vortrag mündete in eine rege Diskussion, in der unter anderem die Frage aufgeworfen wurde, ob die Gläubigen die auf Latein gehaltenen Predigten verstanden. Auch wurde die Frage nach der genauen Ortung der Grabstätte des Bischofs Saurine im Straßburger Münster aufgegriffen.

Monique Fuchs
Übersetzung: Stéphanie Wintzerith
Abb.: Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg

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