Michel Wernert ist seit 1963 Mitglied des Münstervereins und gehört mit seinen 82 Jahren zu den stillen Liebhabern unseres Münsters. Das sind mehr als sechzig Jahre Treue!

Er wurde in eine geschichtsbegeisterte Familie hineingeboren: Sein Vater Paul Wernert war ein berühmter Paläontologe und Prähistoriker, der insbesondere für seine bahnbrechenden Entdeckungen an der Fundstätte Achenheim bekannt war. Michel Wernert wuchs inmitten von Büchern auf und entwickelte schon früh ein lebhaftes Interesse an Burgen. Doch erst mit 18 Jahren erhielt er ein Geschenk, das seine Verbundenheit mit dem Münster begründete: das im Jahr 1617 erschienene Summum Argentoratensium Templum von Osée Schad – den ältesten Führer zu diesem Bauwerk und eine der ältesten architektonischen Monografien Europas. Als eine Art Augenzwinkern der Geschichte wurde ihm dieses Buch von einem Freund seines Vaters geschenkt, der selbst kinderlos war und es wie ein Erbstück an jemanden weitergab, der seinen Wert zu schätzen wusste. Michel Wernert pflegte diese Liebe zum Straßburger Denkmal sein ganzes Leben lang. Der gelernte Konditor hat zahlreiche historische Werke sowie die Jahrbücher und Jahresberichte unseres Vereins gebunden und ihnen so zu einem zweiten Leben verholfen. „Vielleicht sind sie in 100 Jahren noch da“, fügt er voller Ehrfurcht hinzu.
Bei einem Besuch in seinem Zuhause fallen sofort seine große Bibliothek mit ihrer beeindruckenden Sammlung an Werken über das Münster sowie die Straßburger Gemälde, die die Flure schmücken, ins Auge. Er bewahrt sich jedoch jene Bescheidenheit, die ihn auszeichnet, und bestreitet mit einem Lächeln, eine wandelnde Enzyklopädie zu sein. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass er jedem, der ihm aufmerksam zuhört, viel zu erzählen hätte. Er richtet sogar eine Botschaft an künftige Generationen aus: Sie sollen das „Œuvre Notre-Dame“ und die Förderung des Münsters unterstützen.
Bevor wir das Gespräch beenden, verrät er uns noch ein kleines Geheimnis: die Abbildung in Schads Buch, auf der der Altaraufsatz des Münsters zu sehen ist. Die Protestanten wollten das bewahren, was aus der Zeit vor der Reformation Luthers stammte. „Sie haben es nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt“, fügt er verschmitzt hinzu.
Er beschreibt sein Leben als erfüllt und möchte unserer Gesellschaft bis zum Schluss treu bleiben.
Vielen Dank, lieber Herr Wernert, für diesen Erfahrungsbericht!
David Gantou-Ingold
